Als ich mit vielen netten Menschen auf unserer Warteliste telefoniert habe und von der nicht Kalkulierbarkeit von Körungen und Zuchtplanung aufgrund der Coronaveranstaltungsabsagen gesprochen habe, ist mir aufgefallen,dass wenige wissen, was züchten im Verband und Papiere für den Hund eigentlich bedeutet.

Das würde ich hier gerne einmal kurz erklären:

Grundsätzlich ist der größte, weltweite Verband für Rassehunde die FCI ( Federation Cynologique Internationale), die den Standard für etwa 350 Hunderassen führt, festlegt und anerkennt.

Falls ihr im Papier eurer Hund mal nach den Eltern, Großeltern etc. schaut, hier sind die Abkürzungen der Länder, das steht bei der Zuchtbuchnummer dabei

[http://www.fci.be/de/Mitgliedslander-Vertragspartner-89.html](http://www.fci.be/de/Mitgliedslander-Vertragspartner-89.html)

Sie hat nationale Unterverbände, in Deutschland den VDH

Wichtig:der EINZIGE anerkannte nationale amerikanische Verband ist der American Kennel Club, der AKC

Der VDH hat Rasseverbände, für die beiden Corgirassen ist dies der Club für Britische Hütehunde.

Die Corgis gehören zur FCI Gruppe 1, das sind Hüte und Treibhunde

Wenn man also in Deutschland mit einem offiziellen FCI/ VDH Papier für seine Welpen züchten möchte, ist dazu folgendes nötig:

Für den Züchter:

Mitgliedschaft im Club für britische Hütehunde

Eine internationale FCI Zwingerkarte mit nur einmalig vorkommendem Zwingernamen

Eine Züchterschulung mit erfolgreich abgelegter Sachkundeprüfung

Eine Zuchtstättenabnahme durch den vom Verband bestellten Zuchtwart ( dabei wird unter tierschutzrechtlichen Auflagen geprüft ob für Welpen und Zuchttiere alles nötige ausreichend vorhanden ist, vom eingezäunten Auslauf bis zur Wurfkiste mit Wärmelampe)

Jährliche Sachkundeschulung mit Nachweis, der bei jeder Wurfabnahme kontrolliert wird.

Für die Zuchthunde:

FCI anerkanntes Papier

Röntgenologische Untersuchung auf HD ab dem 12 Monat mit Auswertung durch den Hauptgutachter des Verbandes

Erlaubt ist A, B und C , wobei C mit A angepaart werden muß. Eine Ausnahmegenehmigung muß begründet durch ein Gremium entschieden werden und 50% der Nachkommen müssen HD ausgewertet werden.

Min. zwei Ausstellungsergebnisse mit V oder sg.

Eine Körung durch einen Rassezuchtrichter mit Wesenstest.

Optional, das machen aber nahezu alle Züchter in Deutschland, Gentests und Augenuntersuchungen ( für Körklasse 1 erforderlich).

Mindestalter für Rüden 12 Monate für Hündinnen 15, maximal 8 Jahre

Eine Hündin darf innerhalb von 24 Monaten nur zweimal belegt werden, nach Würfen mit mehr als 6 Welpen müssen min.10 Monate dazwischen liegen.

Entspricht ein Hund nicht dem Standard oder gibt es gesundheitliche Probleme , bekommt er keine Zuchtzulassung

Hat eine Hündin den zweiten Kaiserschnitt muß sie aus der Zucht.

Künstliche Besamung ist erst ab dem zweiten Wurf und nur auf Sondergenehmigung gestattet.

Was passiert bei einem Wurf?

Nach erfolgreicher Bedeckung muß eine Deckmeldung an den Verband gehen.

Sind die Welpen auf der Welt erfolgt eine Wurfmeldung und innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen kommt ein Zuchtwart vorbei und begutachtet Welpen, Zuchtstätte und Mutterhündin auf Gesundheitszustand und Sauberkeit. Er erfragt Letalrate, notiert Wurfprobleme und vermerkt Auffälligkeiten.Bei diesem Termine werden die Ahentafeln- die Papiere beantragt.

Nach Entrichten der Gebühren gehen diese einige Wochen danach dem Züchter postalisch zu.

Nach dem Tierarztbesuch mit chipen und impfen kommt der Zuchtwart erneut, wiederholt das procedere, liest den Chip ab, kontrolliert die Impfpässe und gibt dann die Welpen zur Abgabe frei, sofern alles in Ordnung ist.

Die Protokolle der Wurfabnahmen gehen immer auch an die Zuchtbuchstelle.

Die Würfe werden in den Zuchtbüchern des Clubs eingetragen und sind öffentlich einsehbar.

Was machen die Züchter noch so?

Wir haben einmal im Jahr eine Corgizüchtertagung.

Wir studieren Ahnentafeln, kontaktieren Züchter im Ausland und tauschen uns aus.

Wir fahren teilweise tagelang zur Bedeckung ins Ausland oder ans andere Ende der Republik.

Wir schlafen neben den Wurfkisten und nerven erfahrene Züchterkollegen, wenn irgendwas nicht stimmt- die meist mit Rat zur Seite stehen.

Wir fahren an den Anus Mundii zu Ausstellungen um entweder in überfüllten, zugigen Messehallen oder im Regen auf Hundeplätzen in Hintertupfingen stolz unsere Hunde im Ring zu präsentieren.

naja.. und so Zeug halt, was man als Züchter in seiner Freizeit so macht, WENN einem die Rasse am Herzen liegt, WENN man den Typ der Rasse erhalten will, WENN man sich austauschen möchte und die Rasse gesünder und charakterlich einwandfrei halten möchte.

Das alle hängt an einem Hund mit Papieren, zumindest an denen vom CfBrH. Da hat jedes Land eigene Zuchtordnungen.

Und alles davon kostet richtig Geld. Das , also weder Auflagen noch Ausgaben hat der " ich hab mal meine ungekörte Corgihündin von nem Corgirüden mit Farbdruckerpapieren decken lassen und die Welpen gibts bei ebay " Vermehrer nicht.

Und diese Hunde tauchen auch niemals in Ahnentafeln auf und evtl geht so der Zucht gutes Blut oder auch die Kenntnis über Erbprobleme verloren, sofern FCI Hunde in der Schwarzzucht benutzt werden.

Nicht, dass diese Leute ihre Welpen nicht gut aufziehen würden und die nicht auch süß wären,, aber denen ist halt die Entwicklung und der Fortbestand der Rasse scheissegal. Und da züchten Erhalten und Verbessern bedeutet , Kenntnis und Nutzen über Erbanlagen, Nachkommenschaft und Linien vorraussetzt, ist das dann eben nicht züchten, sondern vermehren. Und es liegt in der Natur der Sache, daß ich und viele Züchterkollegen die " private Hobbyzucht" nicht gutheißen. Für uns ist es auch Hobby, aber im Sinne der Rasse sollte man das ordentlich machen.

Wer mehr wissen möchte ,kann auf der Clubseite mal in die Zuchtordnung schauen, die gibts zum download.